In einer Arbeitswelt, die von steigender Komplexität und wachsendem Druck geprägt ist, stellt sich eine zentrale Frage: Wie können Teams ihre Leistungsfähigkeit aufrechterhalten, wenn Mitarbeitenden mit chronischen Belastungen leben?
Dieser Beitrag beleuchtet, wie organisationale Resilienz entwickelt werden kann, um auch unter schwierigen Bedingungen handlungsfähig zu bleiben.
Chronische Belastungen: Eine unterschätzte Herausforderung für Organisationen
Die aktuelle Studie „Gesundheit im Betrieb 2024“ zeigt es deutlich:
54 Prozent der Erwerbstätigen leben mit chronischen Belastungen. Diese Zahl repräsentiert Menschen, die trotz gesundheitlicher Einschränkungen täglich Leistung erbringen müssen – oft mit Erkrankungen, die im Arbeitsalltag unsichtbar bleiben.
Laut dem öffentlichen Gesundheitsportal Österreich sind chronische Erkrankungen lang anhaltende oder wiederkehrende Krankheitsverläufe, die nicht vollständig geheilt werden können und kontinuierliche medizinische Begleitung erfordern. Sie verändern nicht nur den gesundheitlichen Zustand, sondern beeinflussen maßgeblich:
- Belastbarkeit im Arbeitsalltag
- Verfügbarkeit für Termine und Projekte
- Individuelle Leistungsrhythmen
Diese Realität stellt Führungskräfte vor komplexe Herausforderungen: Wie können Leistungserwartungen angepasst werden, ohne das Team zu überfordern? Wie lässt sich Planungssicherheit herstellen, wenn Gesundheit nicht planbar ist?
Warum Resilienz mehr als individuelle Stressbewältigung ist
Chronische Belastungen sind selten ein rein individuelles Thema. Sie wirken dort, wo:
- Rollen neu verteilt werden müssen
- Erwartungen unausgesprochen bleiben
- Unsicherheit über Leistungsfähigkeit entsteht
Der entscheidende Unterschied liegt im Verständnis: Organisationale Resilienz entwickelt sich, wenn das gesamte Team Veränderungen gemeinsam tragen kann und Leistung auch dann möglich bleibt, wenn sie sich phasenweise verändert.
Psychologische Sicherheit als Fundament für resiliente Teams
Ein wesentlicher Baustein für resiliente Teams ist psychologische Sicherheit und die gemeinsame Überzeugung, dass man im Team Risiken eingehen kann, ohne dafür bestraft oder bloßgestellt zu werden.
In Teams mit hoher psychologischer Sicherheit:
- Können gesundheitliche Einschränkungen offen angesprochen werden
- Werden Lösungen gemeinsam entwickelt statt von oben verordnet
- Entsteht ein Klima des Vertrauens statt der Kontrolle
Führungskräfte spielen hier eine Schlüsselrolle:
Durch ihr Verhalten setzen sie den Rahmen für eine Kultur, in der Verletzlichkeit nicht als Schwäche, sondern als Teil des Menschseins verstanden wird.
Von der Theorie zur Praxis: Wie Teams mit chronischen Belastungen umgehen lernen
Der Umgang mit chronischen Belastungen im Team erfordert mehr als theoretisches Wissen, sondern es braucht praxisnahe, strukturierte Ansätze:
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Transparenz fördern ohne zu überfordern
Betroffene Mitarbeitende sollten nicht gezwungen sein, ihre gesundheitliche Situation vollständig offenzulegen. Gleichzeitig braucht das Team ein grundlegendes Verständnis für veränderte Arbeitsbedingungen.
Ein strukturierter Dialog kann helfen, diese Balance zu finden:
- Welche Informationen sind für die Zusammenarbeit relevant?
- Welche Anpassungen ermöglichen weiterhin gute Leistung?
- Wie können Grenzen respektiert und gleichzeitig Erwartungen erfüllt werden?
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Flexible Strukturen etablieren
Resiliente Teams zeichnen sich durch Flexibilität aus, ohne dabei ihre Stabilität zu verlieren:
- Entwicklung von Backup-Systemen für kritische Aufgaben
- Priorisierung von Aufgaben nach Dringlichkeit und Wichtigkeit
- Anpassung von Arbeitszeiten und -orten an individuelle Bedürfnisse
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Kompetenzen im Team neu denken
Chronische Belastungen erfordern oft ein Umdenken bezüglich der Verteilung von Aufgaben und Verantwortlichkeiten:
- Stärkenorientierte Aufgabenverteilung
- Entwicklung komplementärer Fähigkeiten im Team
- Wertschätzung unterschiedlicher Beiträge zur Teamleistung
Führung bei chronischen Belastungen: Zwischen Fürsorge und Leistungserwartung
Führungskräfte stehen vor der Herausforderung, sowohl fürsorgliche Unterstützung zu bieten als auch Leistungserwartungen aufrechtzuerhalten. Diese scheinbaren Gegensätze lassen sich durch einen strukturierten Ansatz verbinden:
- Klare Kommunikation von Erwartungen und Grenzen
- Regelmäßige Check-ins statt jährlicher Mitarbeitergespräche
- Fokus auf Ergebnisse statt Anwesenheit oder Arbeitszeit
Ein wirksamer Führungsansatz in diesem Kontext bedeutet, Rahmenbedingungen zu schaffen, in denen Menschen trotz gesundheitlicher Einschränkungen ihr Potenzial entfalten können.
Die Rolle der Organisation: Systemische Verankerung von Resilienz
Damit Resilienz nicht nur ein Schlagwort bleibt, muss sie systematisch in der Organisation verankert werden:
- Entwicklung von Richtlinien für flexible Arbeitsbedingungen
- Schulung von Führungskräften im Umgang mit chronischen Belastungen
- Etablierung von Support-Systemen (Coaching, kollegiale Beratung, externe Unterstützung)
Entscheidend ist dabei die Haltung der Organisation: Werden chronische Belastungen als Störfaktor oder als Teil der Normalität betrachtet?
FAQ: Resilienz bei chronischen Belastungen im Team
Wie spreche ich als Führungskraft das Thema chronische Erkrankungen an, ohne zu persönlich zu werden?
Konzentrieren Sie sich auf arbeitsrelevante Aspekte: „Was brauchen Sie, um Ihre Aufgaben gut erledigen zu können?“ statt „Was genau haben Sie für eine Erkrankung?“. Bieten Sie regelmäßige Gesprächsmöglichkeiten an und respektieren Sie Grenzen bezüglich der Informationen, die geteilt werden.
Wie kann ich als Team mit unvorhersehbaren Ausfällen umgehen?
Entwickeln Sie proaktiv Backup-Systeme, dokumentieren Sie wichtige Prozesse und fördern Sie Wissenstransfer im Team. Priorisieren Sie Aufgaben gemeinsam und klären Sie, welche Aufgaben verschoben werden können und welche nicht.
Welche rechtlichen Aspekte muss ich als Führungskraft beachten?
Informieren Sie sich über gesetzliche Regelungen wie das Betriebliche Eingliederungsmanagement (BEM) und die Rechte von Menschen mit Behinderungen. Ziehen Sie bei Bedarf den Betriebsarzt oder externe Expert:innen hinzu, um rechtskonforme und zugleich praktikable Lösungen zu finden.
Wie messe ich den Erfolg von Resilienzmaßnahmen im Team?
Erfolg zeigt sich in messbaren Faktoren wie reduzierten Fehlzeiten und Fluktuation, aber auch in qualitativen Aspekten wie verbesserter Teamkommunikation, höherer psychologischer Sicherheit und gesteigerter Problemlösungskompetenz. Regelmäßige Team-Reflexionen helfen, Fortschritte sichtbar zu machen.
Fazit: Resiliente Teams entstehen durch bewusste Gestaltung
Chronische Belastungen sind in der heutigen Arbeitswelt keine Ausnahme, sondern betreffen mehr als die Hälfte aller Erwerbstätigen. Der Umgang damit entscheidet maßgeblich über die Leistungsfähigkeit und Stabilität von Teams und Organisationen.
Die gute Nachricht: Resilienz lässt sich entwickeln – sowohl individuell als auch auf Teamebene. Durch die bewusste Gestaltung von Strukturen, die psychologische Sicherheit fördern und Flexibilität ermöglichen, können Organisationen auch unter Druck handlungsfähig bleiben.
Der Schlüssel liegt in einer praxisnahen, strukturierten Herangehensweise, die über isolierte Einzelmaßnahmen hinausgeht und Resilienz als strategischen Faktor für nachhaltigen Organisationserfolg begreift.
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