Der Begriff Selbstreflexion stammt vom lateinischen reflectere – „zurückwenden“ oder „sich zurückbeugen“. Er beschreibt die bewusste Auseinandersetzung mit dem eigenen Denken, Fühlen und Handeln.
Durch diesen inneren Perspektivwechsel lassen sich Verhaltensmuster erkennen, Probleme besser verstehen und Lösungen entwickeln.
Wohlbefinden und persönliches Wachstum
Studien zeigen: Regelmäßige Selbstreflexion fördert sowohl das subjektive Wohlbefinden als auch das individuelle Wachstum (Hornbach, 2023).
Sie steigert:
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Achtsamkeit
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emotionale Selbstregulation
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Aufmerksamkeit für eigene Bedürfnisse
(Krankenkasse, 2023)
Selbstreflexion als Schlüssel zur Identität
In der Psychotherapie gilt die Selbstreflexion als essenzieller Bestandteil der Identitätsentwicklung.
Methoden wie:
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Schreiben (z. B. Tagebuch)
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Selbstgespräche
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oder strukturierte Reflexionsfragen
…unterstützen dabei, die eigenen Gedanken, Werte und Ziele zu klären – besonders hilfreich auch bei der Verarbeitung traumatischer Erfahrungen.
Therapeutisches Schreiben: Wirkung belegt
Bereits 1986 belegte eine Studie mit 50 Studierenden die Wirksamkeit von therapeutischem Schreiben:
Nach nur vier Monaten berichtete die Experimentalgruppe im Vergleich zur Kontrollgruppe über weniger Krankheiten und kürzere Krankheitsverläufe.
Schreiben wird so zum wirksamen Instrument zur Selbstheilung und inneren Ordnung.
Kohärenzgefühl stärken – mentale Gesundheit fördern
Laut Aaron Antonovsky trägt Selbstreflexion maßgeblich zur Stärkung des sogenannten Kohärenzgefühls bei – also dem Gefühl, dass das Leben verständlich, handhabbar und sinnvoll ist.
Je klarer wir uns selbst verstehen, desto stabiler ist unsere mentale Gesundheit (Hornbach, 2023).
Kritische Selbstbeleuchtung: Aus Mustern lernen
Wer seine Gedanken notiert oder bewusst reflektiert, nimmt eine Beobachterrolle ein.
Diese Distanz hilft, sich selbst kritisch, aber konstruktiv zu betrachten.
So lassen sich festgefahrene Denkmuster hinterfragen und neue Perspektiven entwickeln (Jahn, 2013).
Ergänzend unterstützen:
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Reflexionsgespräche mit Freunden,
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therapeutische Rückmeldungen oder
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gezielte Fragen zur Selbstwahrnehmung
(TK, 2023)
…dabei, das eigene Verhalten besser einzuordnen und die Wirkung auf andere zu erkennen.
Fazit: Selbstreflexion als gesundheitsfördernde Praxis
Selbstreflexion ist ein kraftvolles Instrument der Selbsterkenntnis. Sie hilft, das eigene Erleben zu verstehen, Bedürfnisse zu erkennen und Beziehungen achtsamer zu gestalten.
Wer weiß, wie er fühlt und was er braucht, kann diese Bedürfnisse auch klarer kommunizieren – und damit sein Wohlbefinden aktiv stärken.
In der Interaktion mit anderen fördert Selbstreflexion einen respektvollen, bewussten Umgang – und trägt so zur psychischen Gesundheit und inneren Stabilität bei.
Quellen:
Hombach, S. M. (2023, 9. April). Entdeckungsreise ins Ich.
Techniker Krankenkasse. (2023, 23. Juni). Selbstreflexion – mehr Selbstvertrauen und mentale Gesundheit. Utopia.de. Jahn, D. (2013). Was es heißt. kritisches Denken zu fördern. Mediamanual, Nr.28. S.12

