Reframing – Denkmuster neu gestalten, Ressourcen aktivieren

Die amerikanische Familientherapeutin Virginia Satir war eine der Ersten, die systemische Psychotherapie mit dem neurolinguistischen Programmieren (NLP) kombinierte. Ihre Arbeit zeigt, wie durch Reframing – also die Neubewertung von Situationen, Gedanken oder Emotionen – neue Sichtweisen und Lösungsstrategien entstehen können. Dieser Perspektivwechsel fördert nicht nur die persönliche Entwicklung, sondern auch eine selbstbestimmte, resiliente Lebensweise.

Reframing & Eigenverantwortung

Auch Milton Erickson und Gregory Bateson trugen wesentlich zur wissenschaftlichen Entwicklung des Reframings bei. Ihre Erkenntnisse zeigen:

Menschen, die sich als Opfer äußerer Umstände erleben, können durch gezieltes Reframing ihre Eigenverantwortung zurückgewinnen – ein zentraler Schritt auf dem Weg zu Resilienz und innerer Stärke.

Beispiele für Reframing in der Praxis

  • Mentale Stärke im Sport:
    Der Neurologe Roger Bannister durchbrach 1964 die scheinbar unerreichbare Vier-Minuten-Grenze für die Meile – durch wiederholtes mentales Training. Sein Erfolg inspirierte über 300 Mittelstreckenläufer, durch Vorstellungskraft ihre Leistungsgrenzen neu zu definieren.

  • Das Glas halb voll oder halb leer?
    Ein klassisches Beispiel zeigt, wie ein und dieselbe Situation – ein halb gefülltes Glas – positiv oder negativ interpretiert werden kann, abhängig von der gewählten Perspektive.

  • Angst als Ressource:
    Menschen mit irrationalen Ängsten können durch Reframing lernen, diese in bestimmten Situationen als schützenden Mechanismus zu nutzen. So verwandelt sich ein unerwünschtes Verhalten in eine wertvolle Fähigkeit.

Fazit: Der Blick entscheidet

Reframing bedeutet, Situationen neu zu bewerten, um flexibler und konstruktiver auf Herausforderungen zu reagieren. Es fördert die Entwicklung neuer Denk- und Verhaltensmuster – besonders dann, wenn alte Reaktionen auf aktuelle Situationen nicht mehr hilfreich sind.

🔹 Emotionen wie Wut oder Angst sind nicht per se negativ – entscheidend ist, wann und wie sie zum Ausdruck kommen.
🔹 Die Verarbeitung schwieriger Ereignisse braucht Zeit – diese variiert je nach individueller psychischer und körperlicher Konstitution.
🔹 Reframing bietet die Möglichkeit, veraltete Muster zu hinterfragen und zukunftsgerichtete Reaktionen zu etablieren.

 

Quellen:

Klappenbach-Lentz, D. (2011a). Mediative Kommunikation: Mit Rogers, Rosenberg & Co. konfliktfähig
für den Alltag werden (2. Aufl.). Junfermann Verlag GmbH. 199.

Rassek, A. (2022). Reframing: Realitätsverweigerung oder Cleverness? karrierebibel.de.

Schauer, D. (2010). Utilisation, Kooperation und Hypnose. Methodologische Analyse und Wirksamkeit moderner Hypnotherapie (Dissertation, Fachbereich Erziehungswissenschaft und Psychologie). Freie Universität Berlin.

Stunz, L. (2023, 17. Mai). Positive Lebenseinstellung mit Reframing – alles eine Frage der Wahrnehmung. stern.de.